Unser Vorstoß in die Cloud

Die Transition in die Cloud war gestern, heute sind wir bereit für das Arbeiten von morgen

Wenn wir heute davon reden, dass Firmen die Krise um den neuen Coronavirus nutzen sollen, damit sie bei der Digitalisierung Schritte nach vorne machen, dann fragen wir uns: warum? Warum muss man es einem Virus überlassen der Auslöser für einen Shift zu sein, den es schon seit Jahrzehnten gibt? Wir fragen uns das, weil wir den Wandel gelebt haben und immer noch leben. Dies ist unsere Geschichte.

Von klassischer lokaler IT zur Cloud Native Company

In den mehr als 30 Jahren seit unserer Gründung hat sich Vieles getan. Das Internet wurde massenkompatibel, das Smartphone hat die Welt revolutioniert und heutzutage ist es normal, über Freiheit und Privatsphäre Entscheidungen zu treffen. Eine Sache ist in all den Jahren konstant geblieben: Informationen werden schneller und einfacher einer breiten Masse an Menschen zugänglich gemacht. Dieser technologische Fortschritt bildet heute wie damals, die Basis für das, was wir tun.

Angefangen als kleines Softwarehaus mit einer klassischen lokalen IT, haben wir schon immer ein breites Wissen an IT-Infrastruktur gehabt. Immer begleitet mit innovativen Softwarelösungen, die auf dieser Infrastruktur liefen. Vom besten RAID über eine diverse Landschaft aus Linux, Windows und macOS-Maschinen (und auch als NeXT Dealer), waren wir in der Lage, die Komplexitäten zu bedienen und immer sehr breit aufgestellt.

Wir brauchten schnelle Netze, Fast Ethernet, Gigabit Ethernet. Das war immer wichtig für uns. Schlaues Routing, effiziente Vernetzung, Telefonie, Services im eigenen Serverraum und später im eigenen Rechenzentrum, komplett handoptimiert und die Komponenten mit viel Sorgfalt ausgesucht und aufeinander abgestimmt. Das Modell hatte gut funktioniert, in den letzten Jahren jedoch hat es Risse bekommen.

Viele Dienste wanderten in die Cloud. Das Wissen über Infrastruktur ist noch immer wichtig. Aber wo früher nur wenige Systeme waren, ist heute eine Vielzahl an mehreren Anwendungen notwendig, um einen Dienst zu betreiben. Top of the line Identity und Security, eine Abkehr von monolitischen Architekturen, hin zu losen gekoppelten Systemen, eine moderne Vernetzung mit Ausfallsicherheit und Elastizität auf Softwarestacks, die immer komplexer werden, um die Bedürfnisse von heute zu erfüllen. Der Austausch von Applikationen bei sich ändernden Anforderungen ist mittlerweile normal.

Heute sind so gut wie alle Dienste online. Jeder kann von überall auf alles zugreifen. Services können eng integriert werden. Alles, was man dafür braucht, ist ein Mobiltelefon bzw. einen Computer.

Als logische Konsequenz haben wir im Jahr 2019 den letzten Schnitt gemacht und uns vollständig von der klassischen lokalen IT getrennt. Während die OHB InfoSys GmbH die Aufgaben der klassischen IT für die OHB Gruppe übernimmt, können wir uns nun vollständig auf die Beratung von Unternehmen im Wandel der Digitalisierung und das Engineering von Cloud-native-Apps kümmern. Somit unterstützen wir den Mittelstand auf ihrem Weg in die Cloud.

Die IT der 90er Jahre hat dafür nur noch wenig Relevanz, nicht nur für uns, sondern auch für den Großteil der Unternehmen. Welche Gründe sprechen heute noch für das eigene Rechenzentrum? Welche Wertversprechung liefern Cloud und ihre Betriebsmodelle für ein Unternehmen? Die Digitalisierung bringt uns in die Situation, dass wir die Cloud brauchen, nicht als Replikation der internen IT, sondern als neues Modell mit eigener Architektur. Dann sind Cloud-Modelle elastischer und flexibler (wenn man sie richtig anwendet). Der starke Wandel am Markt, aber auch in den Firmen, sowie das Umdenken der Menschen in der Gesellschaft sind Veränderungen, die dazu führen, dass sich IT grundlegend ändern muss, um heute noch relevant zu sein. Wir müssen Pionier sein für diesen Weg, denn Kostendruck, IT Sicherheit, Qualitätsansprüche und Integration mit anderen Firmen und Diensten werden immer wichtiger. Die Nutzung von Cloud Computing ist und wird für viele der wichtigste Baustein in der Unternehmensstrategie des 21. Jahrhunderts werden.

Wir wollen zeigen, welche Schritte wir genommen haben, welche Fehler wir gemacht haben und wie wir Pionierarbeit leisten für Unternehmen, die in der selben Situation stecken wie wir damals.

Everything’s Commodity – Die späten 2000er und frühen 2010er Jahre

Dazu lohnt es sich auf die Jahre 2006 bis 2014 zu schauen. In dieser Zeit gab es drei wichtige Neuerungen, die allesamt die Geschwindigkeit des Informationsflusses und Zugangs rapide gesteigert haben.

iPhone, Cloud Computing und Massenadoption von Smartphones

Natürlich war da die Einführung des iPhones 2006/2007. Sie war Wegbereiter für eine neue Generation von Diensten. Gleichzeitig führte Amazon AWS ein und bietet zum ersten Mal eine elastische Cloud-Plattform an, die es ermöglichte, Dienste für die Smartphones zu liefern.

In den frühen 2010er Jahren gab es dann neue Konkurrenz, Android, App Stores, Microsoft Azure. Neue Plattformen und Betreiber in den Ökosystemen schossen aus dem Boden. Compute, Storage, Network etc. gab es schon für wenig Geld am freien Markt, jetzt war der Markt aber in Bewegung.

In den folgenden Jahren erhöhte sich die Nutzung der mobilen Geräte auf bis heute knapp 60 Millionen Benutzer in Deutschland, so dass man von einer Massenadoption ausgehen kann.

Die Welt von heute: Mobil, vernetzt und wenig Risiko

Heute ist es für jeden von uns normal Dienste im Internet zu buchen (wenn auch nur privat) und sie überall zu benutzen. Und das zu einem Preis, der von kostenlos bis wenige Euro im Monat liegt. Das führt zu wenig Risiko, denn man kann ausprobieren und bei Nichtgefallen kündigen. Für Unternehmen sind die Entwicklungen gemischt. Erfolgreiche Unternehmen nutzen diese Chancen und bauen massiv ihre Dienste für intern und extern aus, sodass die Qualität der Leistung steigt und den Bedürfnissen genügt. Unternehmen, die diese Chancen nicht nutzen, stehen unter einem enormen Kostendruck und denken darüber nach, wie sie ihre Dienste noch besser zugänglich machen können.

Es ist erstaunlich, wie schnell Geschäftsmodelle von einem Ladenkonzept auf ein Online-First Konzept umgestellt haben. Unter dem Druck auf das Geschäftsmodell durch die aktuelle Corona-Pandemie ist es einigen Firmen gelungen umzustellen. Wenn man selbst Ketchup jetzt online kaufen kann, dann ist das Online-Modell wohl das einzig funktionierende Modell heutzutage.

Servicemodelle der Cloud

Im Kontext von Cloud Computing werden die angebotenen Services oft in folgende Modelle klassifiziert (nach NIST):

Servicemodelle Cloud

SaaS ist das Modell, welches die meisten Firmen heute nutzen, wenn sie Produkte kaufen. Der volle Dienst wird geliefert, man muss sich nicht um die darunterliegenden Schichten kümmern. Einzig der Mehrwert des Dienstes in Verbindung mit dem Preis steht im Vordergrund. Das macht die Entscheidung über den Kauf einfach. Meist in Verbund mit Leasingmodellen und monatlichen Abokosten, sind SaaS-Produkte heutzutage in vielen Firmen vorhanden.

Bei PaaS bündelt der Serviceanbieter mehrere Infrastruktur-Services zu einem Angebot. Gängige PaaS Anwendungen sind z.B. Webservices, wie sie in Microsoft Azure z.B. als Web App zur Verfügung stehen.

PaaS-Angebote zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist durch ein sehr einfaches Deployment die Services, die der Kunde als SaaS anbieten möchte, vereinfacht ausliefern und man sich nur sehr begrenzt um Netzwerk, Compute und Storage kümmern muss. Bei Azure reicht es festzulegen, welche VM-Geschwindigkeiten und Kapazitäten benötigt werden. Das Skalieren und Load Balancing dieser Anwendungen findet dann durch die Plattform statt und kann automatisiert geregelt werden.

So bieten PaaS-Plattformen deutliche Vorteile für viele Anwendungen.

Wenn es darum geht, die volle Kontrolle über alles zu haben, dann sind IaaS-Services das Richtige. Zum Beispiel gibt es verschiedene skalierbare Compute Lösungen bei den großen Anbietern, zum Beispiel Amazon EC2, Google Compute Engine oder Microsoft Azure Compute. Sie alle bieten vergleichbare Lösungen an. Neben Compute sind auch Storage und Netzwerk-Services klassische IaaS-Produkte. Den Kunden bietet dieses Servicemodell den Vorteil, kein eigenes Rechenzentrum aufzubauen, denn jeder Teil der Infrastruktur ist nur über die Cloud zu erreichen, muss aber ebenso gewartet und gepflegt werden.

Studien wie die Erhebung durch bitkom zeigen, dass heute bereits drei von vier Firmen Cloud-Computing nutzen. Weitere 19 Prozent denken über Cloud-Nutzung nach und lediglich sechs Prozent der Unternehmen sprechen sich gegen die Nutzung aus.

Die verschiedenen Clouds

Mit den Servicemodellen der Cloud in der Tasche mussten wir uns überlegen, welche Dienste wir verlagern und wohin. Hier gibt es drei Umgebungen, in denen man seine Daten und Anwendungen in die Cloud bringen kann.

  • Die Private Cloud,

  • die Hybrid Cloud und

  • die Public Cloud.

Private Cloud

Bei der Private Cloud werden in einem externen Rechenzentrum Ressourcen bereitgestellt, die nur einem speziellen Kreis von Benutzern zugänglich sind. Das passiert entweder über ein geschütztes Netz oder zugangsbeschränkt über das Internet. In der Private Cloud fallen durch die selbständige Verwaltung oft der gleiche Aufwand an, wie für den Betrieb eines eigenen Datenzentrums. Die Ressourcen sind zudem exklusiv für den Betreiber reserviert.

Hybrid Cloud

In der Hybrid Cloud existieren lokale Ressourcen im Rechenzentrum parallel zu Public Cloud Ressourcen. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn es Compliance-Anforderungen gibt, die das bedingen bzw. wenn der Schutz von Informationen eine Speicherung in einer Public Cloud verhindert. Insbesondere Regierungsorganisationen, Finanzorganisationen und Organisationen, die besonders hohe Kontrolle über die Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten ausüben wollen nutzen diese.

Public Cloud

Die Public Cloud nutzt alle Vorteile einer Cloud-Lösung aus, denn sie teilt die Ressourcen über alle Kunden auf, so dass eine optimale Ausnutzung entsteht und Dienste zu günstigeren Preisen angeboten werden können, als in einem der anderen Cloud-Modelle.

Welche Lösung ist nun die richtige für uns?

Mit dem Wissen über Servicemodelle und die verschiedenen Clouds mussten wir uns nun auch überlegen, wie wir den Wegfall der klassischen IT gestalten möchten.

Die Fragestellungen, die eine Rolle dabei spielen:

  • Können wir (fast) alle geschäftsrelevanten Services als fertiges SaaS Produkt verwenden?

  • Können geltende Compliance-Anforderungen abgedeckt werden?

  • Insbesondere: Ist der Datenschutz ausreichend berücksichtigt? Können Privatsphäre-Bedürfnisse konsequent transferiert werden und die Stärkung durch DSGVO auch in der Cloud realisiert werden?

  • Ist die Datensicherheit gewährleistet? (Oder ist sie vielleicht sogar höher als vorher? Stichwort ISO 27001:2013)

  • Sind die Neuerungen in Prozessen und in der Art der Zusammenarbeit für unsere Organisation passend?

  • Haben wir die notwendige Transparenz und Veränderungsfähigkeit in der Organisation?

  • Können wir eine Kostensenkung erreichen und gleichzeitig einen besseren Service Level erhalten?

 

Die Antwort auf alle diese Fragen war: JA.

Dem Betrieb in einer Public Cloud stand ebenfalls nichts im Weg. Keine der geschäftskritischen Anwendungen sollte zu Anfang in einer selbst-entwickelten Variante existieren. Die Services im Büro wurden dabei auf das Essentiellste reduziert, so dass wir unsere Arbeit vollständig über das Internet ausüben konnten (eine Entscheidung, die uns Anfang März 2020 zu Zeiten von Corona geholfen hat den Betrieb ohne Verluste aufrecht zu halten).

In der langen Liste der Services, die wir benötigen (Buchungssystem, Kollaborations-Tools, Office-Dienste, Planungs-Tools, Design-Tools, CRM, Marketing-Tools, Cloud Computing Plattform, Automatisierungs-Plattform, …), gibt es derzeit vor allem Google mit der G Suite oder Microsoft mit Microsoft 365 als große Plattformen, die versuchen diese Anforderungen in einem Paket abzubilden.

Die Entscheidung: OHB DS und Microsoft 365

Wir haben uns für Microsoft 365 entschieden. Google hat ein sehr gutes Angebot mit der G Suite, dennoch bot Microsoft für uns

  • Office Integrationen für die verwendeten Office Apps,

  • eine logische Erweiterung für unsere Entwicklung, die bereits in Microsoft Azure lief, sowie

  • eine gute Plattform, um Dynamics 365 als Buchhaltungs- und CRM-Tool einzuführen.

 

Mit dem Plan zur Einführung in der Tasche haben wir Microsoft 365 im Jahr 2019 eingeführt.

Die stetige Transition – das neue Normal

Aber Moment mal: Die Geschichte endet hier nicht, denn heute sind wir nicht fertig. Wir arbeiten seit 2 Jahren daran, unser Unternehmen mit den richtigen Tools weiter zu optimieren.

Microsoft 365 erweitert unsere Kollaborationstools rund um die Atlassian Suite und zieht elementare Geschäftsanwendungen zusammen. Die Plattform bietet uns zusammenhängendes Wissen durch eine Vielzahl von wichtigen Business Tools, von der Buchhaltung bis zur Entwicklung.

Unsere Geschäftsanwendungen finden wir ebenfalls in der Cloud wieder und unsere alten OnPremise Systeme wurden abgelöst. Wir haben ein modernes CRM für unsere Kundenkontakte und arbeiten mit Kollaborationstools in Microsoft 365.

Anstatt Services einfach per Lift and Shift in die Cloud zu holen, haben wir überlegt, welche Dienste in der Cloud gleich funktionieren können und welche nicht. Die neuen Abläufe und die neuen Tools haben wir dann sukzessive eingeführt, manchmal etwas zu schnell, manchmal auch nur oberflächlich. Wir lernen dabei jeden Tag, was es bedeutet auf diesen Tools einen funktionierenden Betrieb zu realisieren. Wir führen auch nach wie vor neue Dienste ein und dieser konstante Wechsel ist zum neuen Normal geworden.

Manche Mitarbeiter wünschen sich eine Welt zurück, in der wir irgendwann auch mal fertig sind. Unsere Antwort darauf kann heute nur sein: Diese Welt ist vorbei und wir leben jetzt in der konstanten Veränderung.